Wie Augmented Reality die Industrie verändert

Text für die VDI nachrichten: Schweißen am Simulator
Kein Rauch, kein Gestank, kein Verbrauchsmaterial: Schweißen üben in der Augmented Reality (Bildquelle: Weldplus GmbH).

Erweiterte Realitäten gibt es nicht nur in der Gaming-Branche. Sie bereichern längst auch Industrie und Schulung, zeigte die Online-Konferenz XAVR XPerience Day.

Für die VDI nachrichten habe ich am XAVR Xperience Day des Zentralverbands Elektrotechnik – und Elektroindustrie (ZVEI) teilgenommen. Die Online-Konferenz zeigte: Immersive Technologien wie Augmented Reality (AR) – bekannt durch Spiele wie Pokémon Go – und Mixed Reality (MR) bereichern die Industrie. Vier Beispiele.

Thyssenkrupp nutzt MR-Brillen für Installation von Treppenliften

Die Installation eines Treppenlifts war früher aufwendig. Mitarbeiter des Industriekonzerns Thyssenkrupp fotografierten die Treppe und erstellten im Betrieb ein 3D-Modell im Computer. Bei Messungenauigkeiten waren Folgetermine nötig. Doch damit ist Schluss. Denn nun tragen die Mitarbeiter eine Hololens-Brille. Sie misst die Treppe automatisch aus und erzeugt einen digitalen Zwilling auf einem Tablet-PC – vor Ort beim Kunden. Der Kunde passt den Lift sofort seinen Wünschen an.

Schnelle Planung von Liften: Mitarbeiter vermisst die Treppe mithilfe einer Hololens-Brille (Bildquelle: Zühlke Engineering AG)

Für Thyssenkrupp bedeutet die Digitalisierung, die in Kooperation mit dem Schweizer Innovationsdienstleister Zühlke entstanden ist, eine schnellere Lieferzeit. Pro Jahr generiert das Unternehmen nun 1000 Abschlüsse mehr. Das Beispiel zeigt: Die Investition in MR-Technologie kann sich schnell amortisieren.

Smart Glasses von Ubimax beschleunigen Kommissionierung im Lager

Kommissionieren ist harte Arbeit: Um Versandaufträge zusammenzustellen, müssen Lagermitarbeiter stundenlang durch Gänge gehen, Kisten suchen und die richtige Anzahl an Produkten – beispielsweise Schrauben – entnehmen. Eine ermüdende Tätigkeit, die besonders gegen Schichtende zu Fehlern führt. Der AR-Lösungsanbieter Ubimax aus Bremen präsentierte auf der Online-Konferenz XAVR eine Entlastung: Smart Glasses – eine Datenbrille mit einem Display, das der Arbeiter neben oder unter dem Auge positioniert.

Mit einer Datenbrille lassen sich Aufträge schneller und sicherer kommissionieren (Bildquelle: Ubimax GmbH).

Somit hat der Mitarbeiter den Eindruck, ein 7-Zoll-Tablet eine Armlänge entfernt zu halten. Auf dem Display erscheinen dann Informationen zum Auftrag, etwa zur Position der Kiste und der gewünschten Artikelanzahl. Das entlastet Mitarbeiter und senkt die Fehlerwahrscheinlichkeit.

Sick präsentierte AR-Lösung für Smartphones

In vielen Industriebetrieben unterstützen mittlerweile Fahrerlose Transportsysteme (FTS) den Materialtransport. So praktisch diese Fahrzeuge sind: Sie stellen Techniker vor Herausforderungen. Ein Beispiel: Bei einem Automobilhersteller bleibt ein FTS stehen, das eigentlich Bauteile zu einer Montagestation bringen sollte. Fehlerursache unbekannt. Jede Sekunde Produktionsausfall bedeutet bares Geld. Und so eilt ein Techniker zum FTS, schraubt die Sensoren des Fahrzeugs ab und schließt seinen Laptop an, um auf Fehlersuche zu gehen. 20 Minuten vergehen. Zeit, die es zu verkürzen gilt, ist Sick überzeugt. Der Sensorhersteller aus Waldkirch hat deswegen unter dem Motto „Industrie 4.0 für die Hosentasche“ eine Alternative vorgestellt.

Der Servicetechniker scannt mit seinem Smartphone einen Code auf dem Fahrzeug. Er verbindet sich dadurch mit der Unternehmens-IT und betrachtet das Vehikel durch die Kamera. Auf dem Display ist das Fahrzeug von virtuellen Informationen überlagert. Zu sehen sind unter anderem die richtigen Positionen von Kabeln und Anschlüssen. Fehlerquellen identifiziert der Techniker somit in Sekundenschnelle – etwa ein lockeres Kabel, das im Sensorbereich hängt.

Weldplus zeigt Schweißsimulator

Augmented Reality spielt mittlerweile auch in der Ausbildung eine Rolle. Die Trainingsspezialisten der Weldplus GmbH aus Müschenbach in Rheinland-Pfalz stellten auf dem XAVR XPerience Day einen Schweißsimulator vor. Er umfasst einen Schweißerhelm, auf dessen Schutzscheibe sich Informationen einblenden lassen.

Kein Rauch, kein Gestank und kein Materialverbrauch: Schweißsimulator der Weldplus GmbH.

Mit einer Sensorschweißpistole zieht der Auszubildende eine virtuelle Schweißnaht an einem Plastikbauteil – ohne Rauch, Gestank und Verbrauchsmaterial. Ein digitaler Assistent und ein Analysetool unterstützen ihn bei der Aufgabe. Der Ausbilder weist dem Azubi über einen Laptop Übungen zu und verfolgt seinen Fortschritt. Zum Einsatz kommt das System unter anderem in der Bildungsakademie von VW in Emden.

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Patrick Schroeder – Journalist und PR-Texter aus Köln (spezialisiert auf Digitalisierung, Technik und Industrie)