Wenn Roboter Pakete bringen

Humanoider Roboter Digit
Der humanoide Roboter Digit liefert Pakete aus: An dieser Vision tüfteln Ingenieure von Agility Robotics und Ford (Bildquelle: Tim LaBarge/Ford/Agility Robotics)

Corona befeuert Onlinehandel und Paketzustellung. Immer mehr Lkw drängen sich auf den Straßen. Hersteller arbeiten deswegen fieberhaft an kompakten, autonomen Transportfahrzeugen für die letzte Meile.

Die Corona-Pandemie beschert dem E-Commerce Aufwind. Rund 1,8 Milliarden Pakete lieferte allein die Deutsche Post 2020 – 15 Prozent mehr als im Vorjahr. Bundesweit kommt es zu einem Boom der Logistikimmobilien. Doch es gibt eine Schattenseite. „Staus, Luftverschmutzung und ein konstant hoher Lärmpegel beeinträchtigen die Lebensqualität in unseren urbanen Räumen massiv“, gibt Christian Müller, Geschäftsführer von EIT InnoEnergy Deutschland, zu bedenken. „Die Auslieferung von Paketen und Gütern auf der letzten Meile verursacht nicht nur mehr als 50 Prozent der gesamten Logistikkosten, sondern erfolgt nach wie vor nahezu komplett mit benzin- oder dieselgetriebenen Transportern.“ EIT InnoEnergy investiert deshalb in ein alternatives Fahrzeugkonzept des Aachener Start-up Droid Drive. Es hört auf den Namen Duck Train.

Duck Train: Autonome Fahrzeuge schwärmen durch die Stadt

Küken, die ihrer Entenmutter hinterherlaufen: Nach diesem Vorbild der Natur entwickeln die Ingenieure von Droid Drive autonome Fahrzeuge, die einem Fahrradkurier folgen – mit bis zu 25 km/h Höchstgeschwindigkeit, einem Transportvolumen von zwei Kubikmetern und einer Nutzlast von 300 Kilogramm. Mit einer Länge von 2,2 Meter und einer Breite von nur einem Meter sind die Ducks dabei kompakt genug, um auf Fahrradwegen zu fahren, sich zwischen Pollern hindurchzuquetschen und das begrenzte Platzangebot der Städte optimal zu nutzen.

Duck Train im Einsatz: Die autonomen Lieferfahrzeuge folgen einem Fahrradkurier wie einer Entenmutter (Bildquelle: Droid Drive)

Im Zustellbezirk angekommen, suchen sich die autonomen Fahrzeuge eine neue Mutter: Mitarbeiter des Paketdienstes, denen sie auf Schritt und Tritt bis zur Wohnungstür folgen. „Mit unserer Technologie sind jährlich Einsparungen von über fünf Milliarden Euro in der Paketbranche in Europa möglich“, sagt Kai Kreisköther, Geschäftsführer von Droid Drive. „Gleichzeitig würde Duck Train dabei mehr als 60 Millionen Tonnen CO2 vermeiden.“ Derzeit arbeitet das Unternehmen an einer Straßenzulassung. Für den Mainzer Lebensmittel-Lieferdienst Frischepost sollen die Fahrzeuge erstmalig zum Einsatz kommen.

Roboter Digit übergibt Pakete an der Haustür

Doch die Konkurrenz schläft nicht. Ingenieure auf der ganzen Welt entwickeln Konzepte, um die Logistik auf der letzten Meile zu verbessern. Das US-amerikanische Unternehmen Agility Robotics beispielsweise baut einen humanoiden Roboter namens Digit. Der elektrische Zweibeiner lässt sich zusammenfalten und platzsparend in autonome Lieferfahrzeugen unterbringen – hier kooperiert das Unternehmen mit dem Autobauer Ford.

Überraschte Gesichter garantiert: Der humanoide Roboter Roboter bringt Pakete zur Haustür. (Bildquelle: Ford/Agility Robotics)

Kommt das Fahrzeug am Ziel an, nimmt Digit das Paket in die Greifarme, geht zur Tür, klingelt und überreicht die Lieferung. Dabei kann er Hindernisse umgehen und sogar Treppen steigen. Verwunderte Blicke der Empfänger dürften garantiert sein.

Autonomes Fahrzeug Roxo bringt Lebensmittel nach Hause

Das Unternehmen Deka Research & Development Corp., bekannt für die Entwicklung des Segway, baut derzeit ein autonomes Liefergerät für das US-amerikanische Kurier- und Logistikunternehmen Fedex: den Roxo. Die technische Basis ist ein elektrischer Rollstuhl, auf den die Erfinder eine Paketbox montieren. Zudem haben sie Roxo mit Kameras, Lidar-Sensoren für die optische Abstands- und Geschwindigkeitsmessung und Algorithmen für das maschinelle Lernen ausgestattet.

Bringt ebenfalls autonom Pakete und Lebensmittel bis zur Wohnungstür: Das autonome Lieferfahrzeug Roxo. (Bildquelle: FedEx)

So ist das Fahrzeug in der Lage, autonom auf Gehwegen zu fahren und Pakete oder Lebensmittel aus dem Supermarkt zu Kunden zu bringen – in einem Umkreis von bis zu acht Kilometern. Der Anwender hat dabei jederzeit die Möglichkeit, die Umgebung mit Kameras zu beobachten, mit Personen über Lautsprecher und Mikrofon zu kommunizieren und bei Bedarf die Kontrolle über das Fahrzeug zu übernehmen. Erste Tests hat Fedex bereits durchgeführt, unter anderem in Arizona, North Carolina und Utah.